Il canto s'attrista, perché? – Libretto

 

 

Salvatore Sciarrino
›Il canto s'attrista, perché?‹ (Szenen nach Aischylos)
Libretto vom Komponisten
Übersetzung: David Greiner


Die Sprechenden:

Cassandra       Sopran
Clitemestra      Mezzosopran
Der Wächter    Countertenor
Agamennone    Bariton
Der Herold       Bass

Chor (Das Volk von Argos) (S, A, TI, TII, Bar, B)

 

Prolog

Der Wachposten

Jede Nacht auf dem Dach,

seit einem Jahr. Helft, Götter!

Jede Nacht wache ich,

zusammengekauert wie ein Hund,

und ich halte es nicht mehr aus!

Die Sterne kenne ich jetzt,

ich folge ihrem Lauf.

Ich warte auf ein Zeichen,

von Weitem, im Dunkeln,

auf einen Punkt aus Feuer,

ein Pünktchen.

Hilfe, oh Götter, ich bitte Euch,

seit einem Jahr stehe ich hier Wache,

zusammengekauert wie ein Hund,

und ich halte es nicht mehr aus!

So will es die Herrin,

die schlimmer ist als ein Mann.

Wenn ich mich hier ausstrecke,

in der Feuchte, kann ich nicht träumen,

die Angst ist mir zur Seite, sie verlässt

mich nicht.

Um nicht zu schlafen,

trällere ich eine Melodie

und beweine dieses Haus,

dem der Untergang droht.

Ich kann nie ruhen,

das Zeichen kommt nie.

Ich bleibe zusammengekauert

wie ein Hund

und ich halte es nicht mehr aus, aber ...

Er bemerkt etwas.

Bist du es, Freundin Nacht,

die die Tänze erlaubt

und den ersehnten Tag entzündet?

Bist du das Zeichen?

Ich grüße dich, Fest, Fest!

Er steigt begeistert herab.

Die Herrin will ich rufen,

dass sie sich vom Bett erhebe,

im Haus jauchze man vor Freude, wenn Troja,

wie es scheint, eingenommen wurde.

Und ich selber tanze das Vorspiel,

welch Glück, dass ich das Zeichen gesehen habe,

ich werde die Hand des heimkehrenden Herrn drücken!

Den Rest sage ich nicht:

mir ist ein Ochse auf die Zunge getreten.

Das Haus selber,

begänne es zu sprechen,

würde alles enthüllen ...

Wer es weiß, dem sage ich es,

für den, der es nicht weiß, vergesse ich es.


Szene I

Es wird Tag, aus dem Palast kommt die Königin, gefolgt von Mägden.

Clitemestra

Die Stadt des Priamos ist gefallen.

Chor

Was sagst du?

Clitemestra

Troja ist gefallen.

Chor

Bist du sicher?

Clitemestra

Wenn mich nicht ein Gott trügt.

Chor

Und wann?

Clitemestra

Heute Nacht vor Sonnenaufgang.

Chor

Hast du das im Traum gesehen?

Clitemestra

Ich bin kein Kind. Verstanden?

Chor

Kein Bote kann so schnell sein.

Clitemestra

Nein ... Feuerzeichen von den höchsten

Bergen.

Und dann über das Meer,

bis hier von Gipfel zu Gipfel.

Chor

Dann berichte!

Clitemestra

Und was?

Die Schreie des letzten Gemetzels?

Mir scheint ich höre,

ich sehe die Sieger,

wankend und hungrig.

Clitemestra geht hinein.

Chor geteilt

In mir ist ein banges Warten.

Sie lässt sich von merkwürdigen

Feuerzeichen verführen.

Wie ein Kind, das den Vögeln nachrennt.

Sie ist impulsiv, sie macht sich etwas vor.

Überdreht.

Die Worte einer Frau verlieren sich.


Szene II

Chor

Wer kommt da?

Ein Herold.

Er kommt vom Meer, was hat er auf der Stirn?

Den Schatten von Blättern.

Einen Olivenzweig.

Er ist weiß von Staub.

Ja, der Staub gibt mir die Sicherheit,

mehr als ein stummes Feuerzeichen

auf den Bergen.

Es wird eine Stimme sein,

die mir die Freude wiederbringt, oder ...

Herold

O Land meiner Väter,

Argos, mein Land,

im Licht des zehnten Jahres kehre ich

zu dir zurück.

Und ich grüße dich, Schein der Sonne,

dich Herr, Zeus, und dich Herr, Apollon,

unseren Feind.

Ich rufe alle an und bitte die Götter der Stadt:

der geliebte Hermes, Herold der Herolde und

ihr, Ahnen, empfangt die Überlebenden.

Du, geliebter Palast,

und in der Sonne glänzende Statuen, lächelt:

euer König kehrt nach langer Abwesenheit zurück.

Chor, ganz

Mögest du glücklich sein, Herold.

Herold

Ja, glücklich, jetzt ist mir mein Tod egal.

Chor

Hast du an der Liebe

zu diesem unseren Land gelitten?

Herold

Du siehst meine Tränen.

Chor

Kanntet ihr dieses süße Leiden?

Herold

Welches Leiden?

Chor

Aus dem Herzen stieg hier Klage auf.

Herold

Welche Traurigkeit verfinsterte euch?

Chor

Schweigen war die Medizin.

Herold

Lassen wir die Klagen!

Einen glücklichen Tag

soll man nicht verderben.

Der Krieg ist vorüber.

Clitemestra kommt wieder heraus.

Clitemestra

Einige von euch verhöhnten mich und sagten:

du lässt dich von fernen Feuern täuschen.

Herold, du musst nichts sagen,

ich werde alles vom König erfahren.

Sage ihm, dass seine Gattin ihn treu erwartet.

Herold

Zu Befehl.

Der Herold geht zurück, von wo er kam.


Szene III

Auf einem Wagen kommt Agamennone herein. Neben ihm sitzt Cassandra, den Kopf mit Priesterbändern umwickelt, einen Lorbeerzweig in der Hand, mit Prophetenumhang; sie schaut mit verwunschenen Augen starr vor sich hin.

 

Chor

Wie sollen wir dich grüßen?

König, Eroberer?

Agamennone

Eine Rauchsäule bleibt von Troja.

Ich will mich nicht brüsten,

ich danke der Gunst der Götter.

Chor

Mit der Zeit wirst du erfahren,

wer die Stadt gerecht hütete, und wer nicht.

Agamennone

Ich kenne den Spiegel der Freunde,

immer geht jemand vorbei und verschwindet.

Während Agamemnon herabsteigt, kommt Clitemestra mit Mägden heraus, die purpurne Teppiche tragen.

Clitemestra

Ich verkünde euch allen,

dass ich meinen Gatten liebe.

Hätte dieser Mann so viele Wunden gehabt, wie es die Unglücksstimmen sagten,

wäre sein Körper wie ein Fischernetz.

Ich war zehn Jahre allein,

von Stimmen belagert.

Sie erklärten ihn für tot,

ich wollte mich erhängen.

Der Quell der Tränen war versiegt,

die Augen vom Wachen erloschen.

Agamennone

Ich möchte nicht mit meinen Füßen

die Schätze des Hauses verderben.

Diese Ehre gebührt den Göttern.

Clitemestra

Glaubst du, der König von Troja

hätte sie nicht zertrampelt?

Agamennone

Ich sah ihn auf Teppichen gehen.

Aber dann ...

Clitemestra

Du fürchtest das Urteil der Menschen.

Agamennone

Die Stimme des Volkes ist mächtig.

Clitemestra

Es gibt kein Glück ohne Neid.

Agamennone

Frau, warum gibst du Widerrede?

Clitemestra

Gib einmal nach, nachdem du gesiegt hast,

meinst du nicht?

Agamennone

Das reicht.

Nimm sie in Empfang,

ein Geschenk meiner Soldaten,

die Krone unter Trojas Beute.

Agamemnon tritt über die Teppiche über die Schwelle.

Clitemestra

Zeus, der du alles erfüllst,

erfülle auch meinen Schwur.

Hilf, mein Werk zu vollenden.

Clitemestra folgt ihm.


Szene IV

Chor

Ein Schatten zieht über mein Gesicht.

Warum wird mein Gesang traurig?

Warum kann ich nicht auf diesen Albtraum

spucken,

Mit meinen Augen sah ich den König

zurückkehren.

Aber mein Herz stimmt einen Trauergesang an:

ich habe ihn nie gehört, wie ist er in mich geraten?


Szene V

Cassandra ist auf dem Wagen stehengeblieben. Aus der Türe kommt Clitemestra.

Clitemestra

Geh auch du hinein!

Ich spreche zu dir, Cassandra.

Zeus wollte dich in diesem Haus,

steh auf und steige vom Wagen!

Wir geben dir kein trocken Brot.

Die Neureichen sind grausam

zu den Sklaven.

Steige herab.

Jetzt wirst du unsere Sitten kennenlernen.

Ich spreche mit dir, gehorche!

Vielleicht willst du nicht.

Clitemestra

Du bist eine Fremde, du Ärmste,

eine verirrte Schwalbe,

ich weiß, wie ich dich überrede.

Ich habe hier keine Zeit zu verlieren.

Beweg dich, drin warten sie auf dich.

Wenn du mit mir die Stumme spielst,

antworte wenigstens mit Gesten.

Chor

Sie braucht einen guten Übersetzer.

Clitemestra

Sie ist verrückt, sie ist ihm Wahn.

Sie kommt heute aus einer vernichteten Stadt,

gewöhnt sie sich nicht an die Wunde?

Sie wird Geifer und Blut schäumen.

Ich verschwende keine weiteren Worte.

Clitemestra geht zurück in den Palast, die Türe bleibt offen. Cassandra auf dem Wagen steht auf.

Chor

Sie tut einem zu leid,

wie kann man ihr böse sein?


Szene VI

Cassandra

OTOTOTOTOI POPOI DA, Apollon, Apollon!

(Weh, weh, o weh, o weh!)

Chor

Warum schreist du so?

Cassandra

OTOTOTOTOI POPOI DA, Apollon, Apollon!

Chor

Sie ruft ihren Gott.

Aber er hört nicht gerne Klagen.

Cassandra

Apollon, Apollon, Gott, der mich leitet,

Gott, der mich verliert!

Noch einmal vernichtest du mich.

Chor

Sie scheint das eigene Unglück zu sehen.

In ihr bleibt ein göttlicher Hauch,

obwohl sie Sklavin ist.

Cassandra

Gott, der mich leitet,

Gott, der mich verliert!

Wo hast du mich hingebracht, ah!

A A! Du hast mich in ein Haus gebracht,

das den Göttern verhasst ist,

das Gemetzel gesehen hat,

abgeschlagene Köpfe:

ein Schlachthaus.

Chor

Die Fremde ist ein Spürhund,

sie riecht noch das Blut der Ermordeten.

Cassandra

Ja, das enthüllen diese Kinder, die weinen, während sie geschlachtet werden,

deren gekochtes Fleisch bei Tisch

serviert wird,

und der Vater verschlingt sie!

Chor

Wir wussten von deinem Ruf,

aber wir brauchen hier keine Propheten.

Sie steigt vom Wagen herab.

Cassandra

IÒ POPOI!

Was wird ausgeheckt,

welches neue Leid?

Neues Unheil in diesen Räumen,

fürchterlich für die Familie

Chor

Wir sind verloren zwischen Rätseln.

Einige Tatsachen kennen wir,

die Stadt raunt davon.

Cassandra

IÒ, ich Unglückselige!

Das wirst du tun?

Dein Gatte,

Du wäschst ihn, aber dann ...

Wie erzähle ich das Ende?

Bald kommt folgt ein Schlag dem anderen.

E E PAPAI PAPAI !

Was erscheint dort?

Ein Todesnetz?

Nein, die Gattin ist das Netz des Verbrechens.

Jetzt mögen die nimmersatten Furien

schreien,

hier, sofort, sie mögen vor Freude schreien

wegen des gemeinen Opfers.

Dies ist die Geschichte eines Mörderbades.

Chor

Was willst du sagen?

Cassandra

IÒ, IÒ!

Apollon, warum hast du mich hergebracht?

Um mit dem König zu sterben, ist es nicht so?

Chor

Und für dich selber stimmst du

einen unsinnigen Gesang an,

wie die blonde Nachtigall,

die ››Iti Iti‹‹ ruft in einem Wald voll von Ängsten.

Cassandra

IÒ, IÒ, das Schicksal der Nachtigall!

Die Götter gaben ihr Flügel,

sie gaben ihr ein süßes Leben,

auch in der Klage.

Mir bleibt das Beil, das mich entzwei haut.

Chor

Jetzt sprichst du allzu klar,

wer dir zuhört, bleibt verletzt zurück.

Cassandra

IÒ, bald falle ich hier zu Boden,

mit der Seele entflammt von einem Gott.

Nun, Cassandra wird nicht mehr

die Zukunft verkünden, die sie sieht.

Nun zielt ein mächtiger und gleißender Wind

gegen die aufgehende Sonne,

ihr werdet ihn gären sehen

wie eine riesige Welle.

Ich werde nicht mehr in Rätseln sprechen.

Hört ihr? Ja, ihr hört das:

ein einstimmiger Chor.

Berauscht von Menschenblut

ist der Chor hier im Haus,

er wartet, und niemand,

niemand kann ihn vertreiben:

ich meine die Rotte der Furien.

Ja, abwechselnd verspritzen sie Grauen.

Chor

Du weißt alles, als hättest du unter uns gelebt.

Cassandra

Apollon verlieh mir die Sehergabe,

und ich scheute mich, davon zu sprechen.

Chor

War er vielleicht verliebt in dich,

auch wenn er ein Gott war?

Cassandra

Er wollte mich mit aller Macht,

und Anmut und Grazie hauchte er mir ein.

Chor

Ihr liebtet euch?

Ihr liebtet euch mit der Liebe,

die Kinder hervorbringt?

Cassandra

Ich versprach mich Apollon,

ich enttäuschte ihn. Ich log.

Chor

Und wurdest du nicht bestraft?

Cassandra

Das war die Strafe:

dass mir keiner mehr glauben sollte.

IÙ IÙ O O, Grauen, Grauen!

Es wirbelt mein Inneres herum,

es beginnt wieder, erschüttert mich.

Da ist das absurde Vorspiel.

Hier, hier, seht ihr es nicht?

Die Kinder sitzen noch im Palast,

die Hände voll des eigenen Fleisches,

und sie bieten es zur Speise an,

Innereien und Eingeweide, die der Vater aß.

Und jetzt duckt sich wer im Haus,

er hüllt sich in das Bett und wartet.

Der König, der Troja erobert hat,

weiß nicht, welches Unglück vorbereitet wird

von der Hündin mit

der schmeichelnden Zunge.

Oh, der Unglückliche!

Sie wagt viel.

Wie soll man diese höllische Mutter nennen?

Sie heuchelte Freude,

dass er heil zurückkehrte.

Ob ihr es glaubt oder nicht,

die Zukunft schreitet voran.

Chor

Grauen packt uns.

Aber der Rest?

Wir haben uns wirklich verloren.

Cassandra

Ihr werdet den Tod des Königs sehen,

sage ich euch.

Chor

Verdammte, lass deinen Mund ruhen.

Cassandra

Es hilft nichts.

Chor

Aber wir beten, dass es nicht geschehe.

Cassandra

Und ihr betet, betet,

sie kümmern sich darum, ihn zu töten.

Chor

Aber wer? Wer plant einen solchen Frevel?

Cassandra

Und ich spreche doch Griechisch.

PAPAI, welches Feuer ergreift mich,

OTOTOI, Apollon, Erbarmen!

Ja, sie ist es.

Die Löwin, die sich mit dem Wolf gepaart hat,

wird auch mich töten.

Dem Löwen will sie es heimzahlen,

dass er mich hierher gebracht hat.

Sie zerbricht das Szepter, nimmt die Bänder vom Kopf, wirft sie hin und trampelt

wütend auf ihnen herum.

Also, und warum trage ich noch

diese Zeichen der Schande, und das Szepter

und die heiligen Bänder um den Hals?

Weg, weg von mir, euch zerbrechen,

euch zerreißen, bevor ich sterbe.

Vermaledeite, zu Boden!

Euch ereile das gleiche Schicksal wie mich.

Sie reißt sich den Umhang von den Schultern.

Hier, seht,

Apollon selber nimmt mir

den Umhang der Seherin!

Es gefiel ihm, mich verhöhnt zu sehen

auch in diesem Schmuck.

Er machte meine Worte nutzlos.

Ich sollte mich nur als Streunerin

gerufen hören,

erbärmlich, vor Hunger sterbend,

Er, der Seher, wollte mich als Seherin,

und nun hat er mich hierher verschleppt.

Nicht zum Altar:

eine Schlachtbank wartet meiner.

Doch warum zögere ich?

Ich grüße dich, Pforte des Hades!

Ich bitte, mit dem ersten Streich zu sterben.

Chor

Frau, die du viel leidest,

Frau, die du viel weißt,

wenn du dein Schicksal kennst,

wieso gehst du hinein?

Cassandra

Nein, meine Gäste, es gibt keine Rettung.

Chor

Aber der letzte Moment ist kostbar!

Cassandra

Es nützt nichts, zu fliehen.

Chor

Aber schöpfe Kraft aus deiner starken Seele!

Cassandra

Oh weh, keinem, der glücklich ist,

wird das gesagt.

Sie bedeckt ihr Haupt und geht zur Tür. Aber sie zögert.

FEU, FEU! Die Zimmer tropfen Blut.

Chor

Was sagst du?

Cassandra

Ich gehe zu den Toten,

um den König zu beweinen

und mein ekelhaftes Schicksal.

Es reicht mit dem Leben.

Sie geht weiter und zieht sich zurück.

IÒ, meine Gäste!

Nein, ich bin kein Vogel,

der vor Angst zittert.

Ich habe Mitleid mit euch Menschen.

Ich werde sterben,

ich bitte um ein Gastgeschenk:

seid meine Zeugen.

Cassandra spricht jetzt mit sich selbst.

Das Glück ist ein Schatten,

wie ein Schwamm löscht

ein kleines Unheil alles aus.

Das schmerzt mich am meisten.

Ich bitte euch:

es möge niemand für mich singen.

Sie geht über die Schwelle, das Tor schließt sich.


Szene VII

Von ferne hört man Schreie.

Agamennone von innen

Verrat, ich bin getroffen!

Chor

Hör! Wer schreit da drinnen?

Agamennone

Noch einmal! Ich sterbe ...

Chor einzeln

Der König schreit!

Chor alle

Schlagen wir Alarm in der Stadt,

damit alle herkommen!

Lieber gleich hineingehen,

um die Mörder zu erwischen.

Stimmt, gehen wir!

So fangen die an:

die Verkündigung der Tyrannei in der Stadt.

Wir verlieren Zeit, während die nicht schlafen.

Wir sollten entscheiden, aber ich bin unsicher.

Ich sage trotzdem:

wer tot ist, steht nicht durch Worte wieder auf.

Und wir, damit es weitergeht,

ergeben uns der Unverfrorenheit

dieses Hauses?

Lieber sterben als eine Tyrannei von denen.

Aber wollen wir unseren König tot glauben,

nur weil wir Schreie gehört haben?

Also abgemacht, wir müssen wissen,

was passiert ist.

Das Tor geht auf und es erscheint Clitemestra mit dem Beil in der Hand. Hinter ihr sieht man die Leiche Agamemnons, in einen Umhang gewickelt. Neben ihm der Körper der Cassandra. Diesmal keine Mägde, Clitemestra ist allein.

Clitemestra

Ich leugne die Liebe,

die ich vorher erklärt habe.

Ich schäme mich nicht.

Diese Gewalttat habe ich

seit langem ersonnen.

Und sie kam mit Verspätung, aber sie kam.

Ich habe ihn getötet,

und ich will sagen, wie.

Ich habe ich ihn in Stoff gewickelt,

damit er sich nicht verteidigen könne,

wie einen Fisch im Netz:

oh prächtiger Mantel!

Zweimal schlage ich zu, zweimal schreit er.

Er fällt, es folgt der dritte Schlag,

möge Zeus ihn fortholen!

Während er seine Seele herausrülpst,

peitscht mich ein Blutstrahl:

ein willkommener Morgentau des Todes!

Ich habe ihn umgebracht,

ich rühme mich dafür,

o Volk von Argos.

Der Becher war zum Überlaufen voll.

Und nun trinkt er ihn bis zum letzten Tropfen.

Chor ganz

Du bist so schamlos gegen einen Toten.

Clitemestra

Was wollt ihr sagen?

Ich habe Gerechtigkeit walten lassen.

Chorsolo

Du tatest das Unmögliche,

um das Schlechteste zu erreichen,

sie werden dich vertreiben.

Clitemestra

Du also verurteilst mich zur Verbannung?

Aber gegen ihn hattest du nichts zu sagen,

als er seine Tochter opferte,

um die Winde zu besänftigen?

Wie ein Tier erschlug er die Kreatur

aus meinem Innersten!

Und wo warst du?

Sie hielten ihr mit Gewalt den Mund zu,

es verrutschten ihre bunten Gewänder,

sie wirkte wie gemalt, sie wollte sprechen!

Nur mit Waffen werdet ihr mich beherrschen.

Chorsolo

Du hast den Verstand verloren.

Das Blut, das dir auf der Stirn glänzt,

ist kein Edelstein.

Clitemestra

Höre stattdessen du zu.

Wisse, dass keine Angst

in dieses Haus kommen wird,

solange mein Geliebter es beschützt.

Der Mann auf dem Boden hat mich, seine Frau, schwer beleidigt

und beglückte die Sklavinnen in Troja.

Bei ihm ist die Sybille, die Bettgenossin, und,

seht, sie bleibt ihm treu.

Sie bekamen das, was sie verdienten:

Sie schien wie ein Schwan im Abgesang.

Er hat sie hergebracht und meiner Freude noch mehr Würze verliehen.

Chor ganz

Ich zittere vor diesem Blutregen.

Das Haus wird daran niederstürzen.

Clitemestra

Kein Klagen in der Stadt.

Die Tochter wird ihn unten empfangen,

die über den traurigen Fluss gesetzt ist,

sie wird ihm die Arme um den Hals legen

und ihn küssen.

Chorsolo

Wer wird die verfluchte Saat aus unseren

Häusern vertreiben können?

Clitemestra

Und du, auf der hintersten Ruderbank,

du rufst das?

Ihr kläfft umsonst.

Wir sind die Herren des Hauses,

wir werden alles anordnen, wie es sich gehört.


Abschied

Chor ganz

Oh Schicksal der Menschen,

es ist der Schatten eines Traums vom Glück.

Kommt ein Unglück,

löst sich auch der Schatten auf:

ein feuchter Schwamm löscht die Malerei.

Schmerz und Erbarmen.

 

Ende der Oper